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Diagnose: Darmkrebs! Was nun?


Interview mit Prof. Dr. Alois Fürst, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Adipositasmedizin, Leiter des Darmkrebszentrums am Caritas-Krankenhaus St. Josef


Darmkrebs! Jährlich erhalten etwa 60.000 Menschen diese erschreckende Diagnose. Doch wie geht es danach weiter? Wir haben mit Prof. Dr. Alois Fürst, dem Direktor der Klinik für Allgemeinchirurgie, Viszeral- und Thoraxchirurgie, hier am Caritas-Krankenhaus St. Josef darüber gesprochen.

Herr Prof. Fürst, starten wir gleich mit der oben aufgeworfenen Frage: Wie geht es weiter, nachdem jemand die Diagnose Darmkrebs erhalten hat?

Zunächst einmal ist wichtig – trotz der erschreckenden Diagnose – Ruhe zu bewahren. Denn Darmkrebs ist in einem frühen Stadium in vielen Fällen heilbar. Was die Therapie betrifft, so stellen wir zunächst fest, wie weit der Krebs schon fortgeschritten ist. Anschließend entscheiden bei uns im zertifizierten Darmkrebszentrum Fachärzte verschiedener Disziplinen in regelmäßigen Tumorkonferenzen gemeinsam über die bestmögliche Behandlung für den jeweiligen Patienten.

Sie haben gesagt, die Therapie orientiert sich am Fortschritt der Erkrankung. Wie beurteilen Sie das?

Wir teilen die Erkrankung in vier Stadien ein. Im Stadium I sind nur die oberflächlichen Darmwandschichten betroffen, im Stadium II bereits tiefere Wandschichten oder angrenzende Strukturen. Sobald die umliegenden Lymphknoten Tumorzellen tragen, spricht man von Stadium III. Findet man Tumorabsiedelungen in anderen Organen, dann besteht ein Stadium IV.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bzw. wie läuft eine Therapie bei Darmkrebs ab?

Hier muss man zwischen Dickdarm- und Enddarmkrebs unterscheiden. Generell ist eine Operation bei welcher der Tumor entfernt wird, ein zentraler Baustein und in der Regel Voraussetzung dafür, dass die Erkrankung geheilt werden kann. Beim Dickdarmkrebs prüfen wir im Darmkrebszentrum – gemeinsam mit Experten anderer Fachrichtungen – ob nach dem Eingriff noch eine Chemotherapie nötig ist. Das hängt unter anderem vom Stadium der Erkrankung ab.

Patienten mit größeren Tumoren im Enddarm, die sehr nahe am Schließmuskel liegen oder die Darmwand durchbrochen haben und ins umliegende Fettgewebe gewachsen sind, erhalten häufig bereits vor der Operation eine kombinierte Strahlenchemotherapie. Damit wird der Tumor im Idealfall deutlich kleiner, so dass bei der Operation der Schließmuskel geschont werden kann. 

In beiden Fällen setzen wir am Josefskrankenhaus – wann immer möglich – auf minimal-invasive Operationstechniken, zum Teil operieren wir auch mit Unterstützung des da Vinci-OP-Robotersystems.

Minimalinvasiv – was heißt das genau? Und warum haben Sie sich für diese OP-Methode entschieden?

Wenn bei Darmkrebs eine Operation nötig wird, geschieht dies entweder minimalinvasiv oder in einer offenen Operation. Minimalinvasiv bedeutet, dass wir nur drei bis vier kleine Hautschnitte machen. Durch die nur wenigen Millimeter großen Zugänge werden eine Kamera sowie spezielle OP-Instrumente an den Ort des Geschehens eingebracht. Die Kamera überträgt die Bilder maßstabsgetreu und in höchster Qualität auf einen Bildschirm, sodass wir das Operationsgebiet stets im Blick haben.

Offen bedeutet, dass der ganze Bauch mit einem langen Schnitt geöffnet wird. Der Chirurg macht den Zugang zum krankhaft veränderten Organ komplett frei.

Früher galten offene Operationen als der Goldstandard. Inzwischen haben aber verschiedene Studien gezeigt, dass die Überlebensrate fünf Jahre nach einer Darmkrebsoperation für die Betroffenen höher ist, wenn sie minimalinvasiv operiert wurden.

Warum das so ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Ein Ansatz ist, dass minimalinvasive Operationen schonender und weniger belastend für den Körper sind. Im Gegensatz zur offenen Operation werden Muskel- und Gewebedurchtrennungen vermieden.

Viele haben Angst vor einem künstlichen Darmausgang. Was können Sie dazu sagen?

Beim Dickdarmkrebs ist ein sogenanntes Stoma meistens nicht notwendig. Nur in wenigen, speziellen Fällen entscheiden wir uns am Josefskrankenhaus für einen vorübergehenden, künstlichen Darmausgang, damit die Wunde in Ruhe abheilen kann.

Bei Enddarmtumoren ist das etwas anders. Gerade wenn sie sehr tief, in unmittelbarer Nähe des Afters liegen, muss manchmal ein künstlicher Darmausgang gelegt werden. Im Darmkrebszentrum am Caritas-Krankenhaus St. Josef haben wir uns allerdings darauf spezialisiert, auch diese ultratiefen Karzinome kontinenzerhaltend zu operieren. Daher erhalten bei nur etwa fünf Prozent der Patienten, die mit Enddarmkrebs bei uns behandelt werden, ein dauerhaftes Stoma. Deutschlandweit liegt der Schnitt hier um ein Vielfaches höher.

Eine abschließende Frage, die sich sicher jeder Patient mit der Diagnose „Darmkrebs“ stellt: Ist die Erkrankung heilbar?

Früh erkannt, ist Darmkrebs tatsächlich in vielen Fällen heilbar. Deshalb ist mir das Thema Darmkrebsvorsorge eine Herzensangelegenheit. Ich kann nur jedem raten, die von der Krankenkasse angebotenen Früherkennungsangebote wahrzunehmen. Das gilt auch während der Pandemie. Viele Menschen schieben die Darmspiegelung nach hinten, aus Angst, sich mit Corona anzustecken. Doch die Wahrscheinlichkeit, sich beim niedergelassenen Gastroenterologen oder in einer Klinik mit Corona zu infizieren, ist äußerst gering. Im Gegensatz dazu kann Darmkrebsvorsorge Leben retten.

Herr Prof. Fürst, wir bedanken uns für das Interview!

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