Wir über uns

Darmkrebs: Vorsorge rettet Leben


Interview mit Prof. Dr. Roland Büttner, Direktor der Klinik für Innere Medizin (Schwerpunkt Gastroenterologie)

Jedes Jahr erkranken über 60.000 Menschen bundesweit neu an Dick- und Enddarmkrebs oder einem kolorektalen Karzinom, wie es Experten nennen. Dieses gehört damit zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Noch immer sterben jährlich rund 25.000 Betroffene. Doch viele Erkrankungen ließen sich verhindern oder wären zumindest heilbar, wie uns Prof. Dr. Roland Büttner im Interview berichtet. Er ist einer der beiden Direktoren der Klinik für Innere Medizin. Sein Spezialgebiet ist die Gastroenterologie.

Herr Prof. Büttner, Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland. Wie entsteht er?

Bösartige Tumore entstehen fast ausschließlich aus ursprünglich gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut. Diese sogenannten Polypen sind meist harmlos, können jedoch auch eine Vorstufe des kolorektalen Karzinoms darstellen. Sie entwickeln sich dann über Jahre – man geht im Schnitt von zehn Jahren aus – zu einem bösartigen Tumor. Diese lange Zeit, die es dauert, bis sich ein Polyp zu einem Karzinom entwickelt, ist der Grund, warum sich mit entsprechender Vorsorge viele Krebserkrankungen verhindern oder in einem frühen – und damit heilbaren Stadium – entdecken ließen. Denn werden während einer Darmspiegelung Polypen Darm erkannt, so können diese noch während der Untersuchung entfernen werden – noch bevor ein bösartiger Tumor entsteht.

Wer sollte zur Darmkrebsvorsorge gehen?

Wenn keine Vorerkrankungen in der Familie vorliegen, sollte man sich ab dem 50. Geburtstag Gedanken um das Thema Darmkrebsvorsorge machen. Im Alter von 50 bis 54 Jahren übernehmen die Krankenkasse die Kosten für einen jährlichen Stuhltest, der verstecktes (okkultes) Blut im Stuhl entdecken soll. Ist der Stuhltest auffällig, sollte das Ergebnis immer mit einer Koloskopie abgeklärt werden.

Zudem wird Männern ab dem 50. und Frauen ab dem 55. Lebensjahr eine Darmspiegelung empfohlen. Die Kassen übernehmen dann die Kosten für zwei Früherkennungskoloskopien im Mindestabstand von zehn Jahren. Wer das Angebot erst mit 65 Jahren nutzt, bei dem übernehmen die Kassen nur noch die Kosten einer Darmspiegelung.

Diese Vorsorgeuntersuchungen werden seit vielen Jahren qualitätsgesichert und flächendeckend von den niedergelassenen gastroenterologischen Kollegen für gesetzlich versicherte Patienten angeboten.

Das heißt, als junger Mensch muss ich mir keine Gedanken über Darmkrebsvorsorge machen?

Leider nicht! Denn rund ein Drittel der Darmtumoren ist familiär bedingt. Hat nur ein naher Verwandter, zum Beispiel Oma oder Opa, die Eltern oder Geschwister Darmkrebs oder Krebsvorstufen, so verdoppelt sich das persönliche Krebsrisiko. Drei bis viermal so hoch – im Gegensatz zur Normalbevölkerung –  ist das Krebsrisiko sogar, wenn es mehrere Fälle von Darmkrebs in der Familie gibt, oder ein Angehöriger vor seinem 50 Geburtstag daran erkrankt ist.

Reicht es in so einem Fall, wenn man mit 50 mit der Vorsorge beginnt?

Liegt so ein familiäres Risiko vor, sollte man früher zur Darmkrebsvorsorge gehen. Die erste Vorsorgekoloskopie sollte dann zehn Jahre vor dem Alter gemacht werden, in dem beim Familienmitglied Darmkrebs oder Darmpolypen festgestellt wurden. Ist der Vater beispielsweise mit 48 an Darmkrebs erkrankt, sollte die Tochter mit 38 zur Vorsorge gehen.

Muss Vorsorge wirklich sein, reicht es nicht, wenn ich zum Arzt gehe, wenn ich Beschwerden habe?

Nein, das reicht nicht. Denn Darmkrebs ist eine „stille“ Erkrankung. In vielen Fällen spürt man nichts davon oder erst wenn der Krebs schon sehr weit fortgeschritten ist. Blut im Stuhl sollte aber immer als Warnsignal verstanden werden.

Gut, also doch eine Darmspiegelung. Aber allein das Wort schreckt viele schon ab. Herr Prof. Büttner ist die Untersuchung wirklich so unangenehm, wie sie sich anhört?

Die meisten Patienten bekommen vor der Untersuchung ein leichtes Betäubungsmittel und sind während der Untersuchung in einer Art Dämmerschlaf. Sie bekommen also gar nichts davon mit. Es kommt sogar immer wieder vor, dass Patienten nach einer Darmspiegelung aufwachen, noch etwas benommen sind, und fragen, wann es denn losgeht.

Was tatsächlich etwas unangenehm ist, ist die Vorbereitung darauf. Denn damit wir Gastroenterologen einen guten Blick auf den Darm haben, muss dieser möglichst sauber sein. Dazu muss der Patienten ein bis zwei Tage viel trinken und mit Hilfe von Abführmitteln den Darm reinigen.

Was genau passiert bei einer Koloskopie?

Kurz gesagt: wir werfen einen Blick in das Innere des Darms. Dazu führen wir ein Endoskop, ein schlauchartiges Instrument, über den After in den Darm ein. Dort wird es bis zum Übergang zwischen Dick- und Dünndarm vorgeschoben und anschließend langsam rausgezogen. Beim Weg zurück ermöglicht eine kleine Kamera am Ende des Endoskops den Blick ins Innere des Darms. Werden dabei Polypen entdeckt, können diese mit einer Elektroschlinge, die ebenfalls am Endoskop angebracht ist, entfernt werden. Im Anschluss untersucht ein Labor die Gewebeproben, um festzustellen, ob die Veränderungen der Darmschleimhaut gut- oder bösartig waren.

Was passiert, wenn bei einer solchen Untersuchung nicht nur kleinere Polypen oder Krebsvorstufen entdeckt und entfernt wurden, sondern ein bösartiger Tumor?

Wird ein Karzinom entdeckt, wird zunächst untersucht, wie weit sich die Krebserkrankung bereits ausgebreitet hat. Danach wird die Therapie der Wahl – in aller Regel eine Operation – festgelegt. Das ist allerdings das Spezialgebiet meines Kollegen Prof. Dr. Alois Fürst, dem Direktor der Klinik für Chirurgie hier am Josefskrankenhaus.

Herr Prof. Büttner, wir bedanken uns bei Ihnen für das Interview!

Kontakt Anfahrt Seite drucken© 2002-2019 Caritas-Krankenhaus St. Josef | Impressum | Datenschutz | Sitemap | Design & Programmmierung