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Vom Schwergewicht zum Mutmacher

Nach einer Adipositas-OP beginnt für Daniel Lech ein neues Leben


„Wenn Sie so weitermachen, gebe ich Ihnen noch ein Jahr.“ Daniel Lech ist 35 als sein Hausarzt ihn mit deutlichen Worten wachrüttelt. Er wiegt zu dem Zeitpunkt 175 Kilo, seine Atmung setzt nachts aus, sein Blutdruck ist zu hoch, auch arbeiten kann er nicht mehr. „Da stand für mich fest: Ich muss etwas ändern. Nicht nur für mich, sondern vor allem meiner Frau und meiner Tochter zu Liebe“, sagt Lech. Heute ist er 36 Jahre alt, sein Gewicht ist zweistellig und er ist Vorsitzender der Selbsthilfegruppe Adipositas am Caritas-Krankenhaus St. Josef. Eine Schlauchmagen-Operation hat sein Leben verändert. Weil er anderen Mut machen will, erzählt er seine Geschichte.

„Zehn Cheeseburger und drei Big Mac waren für mich normal“, berichtet der Familienvater. Zu Höchstzeiten brachte er 196 Kilo auf die Waage. Auf seine Ernährung hat er nie wirklich geachtet. Und je schwerer er wurde, umso weniger bewegte er sich. Zu den gesundheitlichen Problemen kamen berufliche wie private: „Ich verlor meinen Job, durfte nicht mehr arbeiten. Meine Frau hätte das sicher auch nicht mehr lange mitgemacht.“ Denn während Franziska Lech mit der kleinen Sophia spazieren geht, bleibt der Papa zu Hause. Auch im Haushalt bleibt alles an Franziska Lech hängen. „Ich konnte ja kaum 500 Metern gehen, weil mir die Puste ausging. Blieb ich länger stehen, machten meine Knie und mein Sprunggelenk Probleme.“ Auch ein zweites Kind wünscht sich das Paar: „Doch bei meinem niedrigen Testosteronspiegel, der durch mein extremes Übergewicht entstanden ist, war daran nicht zu denken“, sagt das ehemalige Schwergewicht.

Eine Operation als letzter Ausweg

Gemeinsam mit seiner Frau, die mit ihm wortwörtlich durch dick und dünn geht, wendet sich der damals 35-Jährige an Dr. Benjamin Stäbler. Sie möchten sich beim Oberarzt an der Klinik für Chirurgie am Caritas-Krankenhaus St. Josef über eine Magenverkleinerung informieren. Dr. Stäbler gehört zum Team der Allgemeinchirurgie um Prof. Dr. Fürst und ist spezialisiert auf Adipositas-Chirurgie. Er führt ein Erstgespräch mit dem übergewichtigen jungen Mann und stellt schnell fest: mit seinem Body Mass Index (BMI) über 50 kg/m² erfüllt er die strengen Kriterien für eine Adipositas-Operation. „Bei Patienten, die einen BMI über 40 oder einen BMI über 35 und gesundheitliche Beschwerden haben, wird sehr genau geprüft, ob eine Operation die beste Möglichkeit ist oder ob es nicht doch noch eine Lösung gibt, auf anderem Weg abzunehmen.“ Wer aber wie Daniel Lech einen BMI über 50 habe, dem helfe in den allermeisten Fällen nur noch eine OP. Studien haben gezeigt, dass eine Abnahme aus eigener Kraft dann kaum mehr möglich ist. „Doch die Operation ist nur ein kleiner Schritt auf einem langen Weg“, erklärt Dr. Stäbler. Bevor er das Laparoskop ansetzt, geht es für seine Patienten über mehrere Monate zur Ernährungs- und Bewegungstherapie. Dort lernen sie, wie sie sich gesund ernähren können und wie sie auch nach der OP, wenn nur noch rund 100 Milliliter in den Magen passen, genügend Mineral- und Nährstoffe zu sich nehmen können. „Das fällt vielen nicht leicht, da sie sich die OP so schnell wie möglich wünschen.“ Aber Daniel Lech hält durch: am 22. Januar wird er operiert. In einem minimal-invasiven Eingriff entfernt Dr. Stäbler rund 90 Prozent des Magens, übrig bleibt nur ein schlauchförmiger Rest. „Ich hatte eine riesengroße Angst vor der OP“, erinnert sich Lech, „aber letztlich ging alles doch ganz schnell. Ich habe um 10 das letzte Mal auf die Uhr geschaut und um halb zwei bin ich wieder aufgewacht. Ich habe ganz schnell gemerkt, dass ich kaum noch Hunger habe und nur noch wenig zu mir nehmen kann.“ „Das ist typisch für Menschen mit einem Schlauchmagen“, bestätigt Dr. Stäbler.

Nach vier Tagen im Josefskrankenhaus darf Lech wieder zurück nach Hause zu seiner Familie. Dort beginnt die eigentliche Arbeit. „Denn auch wenn mit der Magenverkleinerung ein wichtiger Schritt getan ist, heißt es nicht, dass die Patienten dauerhaft Gewicht verlieren und auch halten“, erklärt Diplom-Ökotrophologin Beate Birnbaum. Gemeinsam mit Cristina Arjona Garcia, ihrer Mitarbeiterin, betreut sie Adipositas-Patientinnen und Patienten. Sie hat auch Daniel Lech vor und nach seiner OP als Ernährungstherapeutin begleitet. Von ihr hat er gelernt, was es heißt mit Lust statt Frust zu essen, was der Körper braucht, um genügend Eiweiß und Mineralstoffe aufzunehmen, wie man richtig kaut und sogar wie man richtig trinkt. „Der Magen ist nach so einer OP ja nicht größer als eine Banane. Wer da wie vorher große Mengen auf einmal trinkt, wird schnell merken, dass das nicht funktioniert. Das geht nur noch in kleinen, langsamen Schlucken. Ähnlich ist das auch beim Essen.“  Aus langjähriger Erfahrung weiß sie, wie wichtig auch die Betreuung nach einer Adipositas-Operation für die Betroffenen ist. „Denn nur, weil jemand einen kleineren Magen hat, nimmt er nicht automatisch auf Dauer ab. Auch da passen Nuss-Nougat-Creme, süße Limo oder fetter Käse rein.“ Daniel Lech jedoch setzt um, was Beate Birnbaum ihm rät: er isst sehr regelmäßig, viel Gemüse und hört auf, wenn er merkt: Ich bin satt. „Meistens esse ich um 8, um 12 und um 18 Uhr, dazwischen gibt es vielleicht mal ein bisschen Obst – oder auch eine kleine Hand voll Linsenchips, wenn ich mir was gönnen mag.“ Auch seine Frau macht mit, das macht es leichter. Und so purzelt Kilo um Kilo. Elf Monate nach seiner OP ist Daniel Lech ein UHU, so nennen es Übergewichtige, wenn sie unter die 100 Kilo kommen. Seine nächtlichen Atemaussetzer sind weg, die Schmerzen in Knien und Sprunggelenk deutlich besser und sein Blutdruck ist auf ein gesundes Niveau gesunken. Auch beruflich und privat läuft es wieder: „Ich arbeite seit einigen Monaten bei der Müllbeseitigung, allein da mache ich schon 12.000 Schritte.“ Seine Frau freut sich, dass er nicht nur im Haushalt hilft. „Endlich begleitet er mich und die Kleine beim Spaziergehen und unternimmt viel mit uns, da hat sich echt eine Menge geändert.“ Umgekehrt sagt Daniel Lech: „Ich bin meiner Frau sehr dankbar, ohne sie hätte ich das alles nicht geschafft.“

Eine wichtige Stütze für Daniel Lech war auch die Selbsthilfegruppe (SHG) Adipositas am Caritas-Krankenhaus St. Josef. „Der Austausch mit Menschen, denen es genauso geht wie mir, hat mir gutgetan.“ So gut, dass er gleich an Tag eins nach der OP zu einem der Vorträge gegangen ist, die die Selbsthilfegruppe damals vor Corona noch in der Klinik anbieten konnte.“ Umso geschockter war Daniel Lech als der damalige Vorsitzende bekannt gab, seinen Posten wegen eines Wohnortwechsels aufgeben zu müssen. Doch der Schock währt nicht lange, schon ergreift der 36-Jährige selbst die Initiative: „Ich habe dann einfach gesagt, ich mach es.“ Birnbaum, die eng mit der Selbsthilfegruppe zusammenarbeitet, ist von dieser Entscheidung überrascht und begeistert zugleich: „Der Daniel Lech, den ich vor einem Jahr kennengelernt habe, hätte sich das nie getraut. Ich freue mich sehr, dass er jetzt den Vorsitz übernommen hat.“ Auch Daniel gibt zu: „Das Selbstvertrauen hätte ich vor einem Jahr nie gehabt. Aber wer sich Jahre anhören muss, er sei eine `fette Sau´, der tut sich schwer ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen. Heute bin ich ein ganz anderer Mensch. Außerdem weiß ich aus eigener Erfahrung wie wichtig der Rückhalt der SHG ist und wollte etwas zurückgeben. Ich möchte Mut machen und, dass auch die anderen schaffen, was ich geschafft habe.“
Bislang hat Daniel Lech rund 75 Kilo abgenommen – weitere 10 bis 15 Kilo sollen noch folgen. Er ist überzeugt: „Auch das schaffe ich noch!“

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