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Wer rastet, der rostet

Ab 65 steigt das Risiko für Stürze mit Verletzungen deutlich an. Jedes Jahr müssen rund 400.000 ältere Menschen deshalb im Krankenhaus behandelt werden. „Regelmäßiges Muskel- und Balancetraining sollte für ältere Menschen zum Alltag gehören, um Stürzen vorzubeugen“, rät Prof. Dr. Johannes Zellner, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Caritas-Krankenhaus St. Josef, anlässlich des Tags der älteren Generation am 1. Oktober.

„Die Gründe für die zunehmende Sturzgefahr sind unterschiedlich – meist spielen mehrere Faktoren eine Rolle“, sagt Prof. Zellner. Zum einen nehmen Muskelkraft, Reflexe, aber auch die Sehleistung im Alter ab, zum anderen ist die Fähigkeit, die Balance zu halten, weniger ausgeprägt. Auch sind die Knochen im Alter nicht mehr so stabil wie mit 30 oder 40 Jahren. Osteoporose macht sie zusätzlich porös – vor allem Frauen sind hier gefährdet. So führt bereits eine kleine Unachtsamkeit im Alltag, ein Stolpern über die Teppichkante oder ein Ausrutschen im Bad, zu Stürzen. „Diese können schwerwiegende Folgen haben - ein gebrochenes Handgelenk beispielsweise oder, noch schlimmer, einen Oberschenkelhalsbruch“, weiß der Experte aus seiner täglichen Arbeit. Allein über 150 Patienten behandeln er und sein Team jedes Jahr aufgrund von Brüchen nahe der Hüfte. Prävention kann hier helfen, derartig schwere Stürze und Brüche zu verhindern.

„Zum Glück hat sich die Medizin so weiterentwickelt, dass ein Oberschenkelhalsbruch im Alter nicht mehr der Beginn einer stetigen Abwärtsspirale sein muss“, berichtet Prof. Zellner. „Dennoch kann so ein Ereignis dramatische Folgen haben.“ Es passiere immer noch viel zu oft, dass Patienten ihren Alltag im Anschluss nicht mehr alleine zu Hause bewältigen können oder pflegebedürftig werden. Je länger die Patienten nach einem Sturz liegen müssen, umso höher das Risiko. Denn die Liegezeit schwächt den Körper. Zudem erhört sich die Gefahr einer Thrombose oder Lungenentzündung. Und selbst wenn es nicht so weit kommt, bleiben viele in ihrer Mobilität eingeschränkt. Die Ursachen dafür sind nicht nur körperlicher Natur, wie Prof. Zellner weiß: „Man nennt es das `Post Fall Syndrom´. Menschen, die gestürzt sind, haben danach Angst, erneut zu stürzen. Daher bewegen sie sich weniger. Das wiederum führt dazu, dass weiter Muskelmasse abgebaut wird und die Gefahr für Stürze steigt – ein Teufelskreis.“

CURA für eine schnelle Rückkehr in den Alltag

Um älteren Menschen nach einem Sturz schnell wieder auf die Beine zu helfen und, um Folgeschäden zu vermeiden, setzt man am Caritas-Krankenhaus St. Josef auf ein ganz besonderes Konzept: CURA, die Caritas Unfallmedizin Regensburg Alterstraumatologie. Die besonders ausgestattete Station orientiert sich speziell an den Bedürfnissen älterer Patienten mit Knochenbrüchen oder anderen Verletzungen. „Ältere Menschen haben häufig Begleiterkrankungen – wie beispielsweise Diabetes oder Bluthochdruck –, daher muss die Behandlung ganzheitlich und interdisziplinär erfolgen“, so der Chefarzt. Ein Team aus Unfallchirurgen, Altersmedizinern, Pflegekräften und Rehabilitationsspezialisten arbeitet dort Hand in Hand, um die Patienten möglichst schnell wieder zurück in die vertraute Umgebung zu bringen. Dass es sich dabei um ein Erfolgskonzept handelt, zeigt, dass die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) das Josefskrankenhaus 2014 als bundesweit erstes AltersTraumaZentrum DGU® zertifiziert hat. Studien zeigen, dass durch so einen interdisziplinären Ansatz viele schwere Komplikation vermieden werden können. Aber auch in der Nachsorge solcher Patienten geht das Caritas-Krankenhaus St. Josef neue Wege. „Wir müssen dahin kommen, dass die Ursache der Altersfraktur, nämlich die Osteoporose, spätestens nach einem so schlimmen Ereignis behoben wird. Hierfür bedarf es einer engen Verknüpfung zwischen dem Akutkrankenhaus, den Rehakliniken, Osteologen und vor allem den Hausärzten, die den Patienten am besten kennen und ihn seit Jahren kompetent betreuen.

„Trotz all unserer Bestrebungen, den Patienten nach einem Sturz so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu helfen und sie zurück in ihren gewohnten Alltag zu entlassen: wir würden uns natürlich wünschen, dass es gar nicht erst soweit kommt“, erklärt der Unfallchirurg. Dafür reiche es oft aus, wenige Tipps zu beherzigen. So könne man einerseits das eigene zu Hause sicherer machen: also Stolperfallen wie lose Kabel oder Teppichkanten beseitigen und in der Badewanne oder Dusche rutschfeste Matten anbringen. Ebenso sollten die Hausschuhe einen festen Halt bieten.

Andererseits rät Prof. Zellner: „30 Minuten Bewegung sollten, auch im Herbst und Winter, bei Menschen über 65 fest zum täglichen Ablauf gehören.“ Wichtig sei es, Balance und Muskeln zu trainieren. Tanzen, Wandern, Schwimmen oder auch Kegeln würden sich hierzu hervorragend eignen. Wer dies nicht möchte, kann durch einfache Übungen in stehender oder gehender Position angepasst an die individuellen Möglichkeiten, wie z.B. dem Otago-Programm seine Balance und Kraft trainieren. „Wer diese Tipps beherzigt, kann sein persönliches Sturzrisiko deutlich minimieren“, ist sich Prof. Zellner sicher.

 

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